Die Absprungrate verstehen und optimieren

Die Absprungrate ist eine der am häufigsten missverstandenen Kennzahlen im digitalen Marketing. Wir haben versucht die Absprungrate leicht verständlich zu erklären und was Sie tun können, um die Absprungrate auf Ihrer Website zu verbessern.

Was ist die Absprungrate?

Googles Definition eines Absprungs ist, dass bei einem Besuch der Website nur eine einzigen Seite aufgerufen wurde. Die Absprungrate ergibt sich aus Absprüngen, also den Besuchen einer einzigen Seite, geteilt durch alle Sitzungen. Typischerweise wird die Absprungrate als Maß für die Performance einer Website verwendet.

Wie wird die Absprungrate berechnet?

Die Absprungrate – oder auch Bounce-Rate genannt – errechnet sich aus der Gesamtzahl der Besuche mit einem Seitenaufruf dividiert durch die Gesamtzahl der Sitzungen eine Website

Berechnung der Absprungrate

Wenn beispielsweise die Startseite einer Website im Laufe eines Monats 1.000 Besucher hat und 500 dieser Besucher die Website nach dem Betrachten der Homepage verlassen, ohne andere Seiten zu besuchen, dann beträgt die Absprungrate der Startseite 50%.

Absprungrate vs. Ausstiegsrate

Die Absprungrate wird häufig mit der Ausstiegsrate verwechselt, es gibt aber große Unterschiede.
Die Absprungrate misst die Anzahl der Nutzer, die eine Website besuchen und sofort wieder verlassen. Die Ausstiegsrate misst die Anzahl der Besucher, die eine bestimmte Seite verlassen.

Der wesentliche Unterschied zwischen den beiden Werten ist, dass die Ausstiegsrate den Prozentsatz der Besucher misst, die eine bestimmte Seite verlassen haben, aber sie sagt nichts darüber aus, ob dies die einzig besuchte Seite war, die der Benutzer besucht hat. Daher sind alle Absprünge auch Ausstiege, aber nicht alle Ausstiege sind Absprünge!

Wenn zum Beispiel 100 Personen auf der Homepage landen und 50 dieser Besucher ohne einen weiteren Seitenaufruf die Website wieder verlassen, dann beträgt die Absprungrate der Homepage 50%. Allerdings kann die Homepage im gleichen Zeitraum 400 Seitenaufrufe erhalten, von denen nur 100 die jeweils letzten Seitenaufrufe der jeweiligen Besuche sind. In diesem Fall beträgt die Ausstiegsrate 25%.

Die Ausstiegsrate sollte nicht überinterpretiert werden. Ein Besucher Ihrer Website muss irgendwo seinen letzten Seitenaufruf generieren, daher werden manche Seiten eine natürlich hohe Ausstiegsrate haben. Einen genauen Blick auf diese Metrik solltet ihr in Funneln oder Mehrstufigen-Kontaktformularen legen, da sie dort auf Probleme mit der Usability hinweisen können.

Wie interpretiert man die Absprungrate?

Die Absprungrate ist eine Metrik mit mehreren Facetten. In den meisten Fällen wird eine hohe Absprungrate als schlecht interpretiert, was sie aber nicht zwangsläufig sein muss. Für die richtige Interpretation der Absprungrate muss man im Vorfeld einige Fragen beantworten:

  • Was will der Nutzer?
  • Handelt es sich um einen wiederkehrenden oder einen neue Besucher?
  • Auf welchem Gerät hat der Nutzer die Seite aufgerufen?
  • Um welche Art von Landingpage handelt es sich?
  • Wie hochwertig ist die Landingpage?
  • Welche Art von Content befindet sich auf der Landingpage?
  • Über welchen Channel kommt der Nutzer?
Anmerkung:
Eine seitenweite Betrachtung der Absprungrate kann zwar als Warnsystem fungieren, sollte aber niemals als Grundlage von Analysen herhalten. Die Absprungrate variiert stark von Kanal, über das Gerät bis hin zur einzelnen Seite. Entwickeln Sie zunächst eine konkrete Fragestellung, bevor Sie mit der Suche nach einer Antwort beginnen.

Die Höhe Ihrer Absprungrate hängt von den oben genannten Faktoren ab. Sobald man sich über diese Faktoren im Klaren ist und sich der Situation des Nutzers und seiner „Vorgeschichte“ bewusst ist, kann man mit der Optimierung der Absprungrate beginnen. Mit Vorgeschichte ist die Traffic-Quelle gemeint. Sollten Nutzer beispielsweise die Landingpage über Display-Ads besucht haben, ist die Anzeige und deren Gestaltung ein wichtiger Faktor der Absprungrate:

Anzeige Aussage und der Einfluss auf Absprungrate
Versprechen der Anzeige und ihr Einfluss auf die Absprungrate

Sollte die Aussage auf der Anzeige nicht der Aussage der Landingpage entsprechen, ist die Erwartungshaltung des Nutzers nicht erfüllt und er wird die Seite schnell wieder verlassen. Hier gibt es eine schnelle Lösung um die Absprungrate wieder zu senken: Versprechen der Anzeige, der der Landingpage anpassen. Das selbe vorgehen kann bei fast allen bezahlten Traffic-Quellen angewendet werden.

Um die Absprungrate für jeden Kanal richtig optimieren zu können, müssen alle relevante Daten, wie Kampagne, Inhalte und Zielgruppe, mittels UTM-Parameter an Google Analytics übergeben werden. 

Neben der Traffic-Quelle hat natürlich auch die Art des Contents einen erheblichen Einfluss auf die Absprungrate:

Informative Inhalte: Blog-Beiträge

Wenn der Zweck der Seite nur darin besteht, zu informieren, dann ist eine hohe Absprungrate an sich kein Indiz für eine Unterperformance. Auf solchen Seiten sollte natürlich auch das Interesse bestehen, die Absprungrate zu verringern. Natürlich möchten Sie, dass Nutzer mehrere Artikel auf Ihrer Website lesen, Ihren Newsletter abonnieren und andere Conversions durchführen. Eine Möglichkeit um die Absprungrate auf informativen Seiten zu verringern, ist es zielgerichtete CTAs oder verwandte Artikel durch schlaue Verlinkungen in den Content zu integrieren, um so den Nutzer weitere Informationen bereitzustellen.

Lead Inhalte: Absprungrate auf Landingpages

Wenn der Zweck einer Seite darin besteht, sich aktiv mit Ihrer Website zu beschäftigen, also eine Conversion auszuführen,  dann ist eine hohe Absprungrate negativ. Nehmen wir an, Sie haben eine Seite, die Besucher dazu zu bringen soll, sich für Ihren Newsletter anzumelden. Wenn diese Seite eine hohe Absprungrate vorweist, dann müssen Sie möglicherweise die Seite und deren Usability optimieren. Durch das Hinzufügen klaren Handlungsaufforderung könnten Sie die Absprungrate vermutlich senken. Sollte Sie keine klare Handlungsaufforderung auf Ihre „Lead-Inhalten“ haben, sollte wir uns vielleicht mal unterhalten. 

Aber es kann natürlich auch andere Gründe für eine hohe Absprungrate auf einer Newsletter-Anmeldeseite geben. Falls Sie Traffic mit falschen Versprechen auf die Seite gelockt haben, sollten Sie nicht überrascht sein, wenn diese Besucher sich nicht mit Ihrer Seite beschäftigen. Die Erwartungshaltung von Nutzern ist einer der größten Einflussfaktoren der Absprungrate.

Was ist eine gute Absprungrate?

Es kommt drauf an. Eine „typische“ Absprungrate gibt es nicht. Angesichts der Vielzahl von Website-Typen und Branchen im Internet, die sich an ein breites und vielfältiges Publikum richten,  ist es schwierig, die Absprungrate zu verallgemeinern.

Die Definition einer „guten“ Absprungrate ist auch recht subjektiv, basierend auf der Art der Seite und der Quelle des Traffics.

Wenn es sich beispielsweise um einen informativen Artikel handelt, der eine bestimmte Frage beantwortet, und die primäre Quelle des Traffics  ist die organischen Suche, wird die Absprungrate der Seite wahrscheinlich um die 90 % hoch sein. Das bedeutet nicht, dass die Seite „schlecht“ ist, obwohl sie eine hohe Absprungrate hat. Es könnte nur bedeuten, dass der Suchende genau die Information gefunden hat, die er gesucht hat, und daher überhaupt keine weiteren Seiten mehr sehen musste. Umgekehrt muss eine Seite mit einer niedrigen Absprungrate nicht unbedingt „gut“ sein. Für eine grobe Richtlinie kann man folgende Werte als Grundlage nehmen:

Art / Branche Absprungrate
Content Websites 40% – 60%
Conversion / Lead Inhalte 30% – 50%
Informative Inhalte 70% – 90%
E-Commerce Websites / Shops 20% – 40%
Service Websites 10% – 30%

Wie kann man die Absprungrate verbessern?

Es gibt viele Möglichkeiten die Absprungrate einer Website zu verbessern. Hier einige der besten Taktiken:

  • Optimieren Sie Ihre Ladezeit
  • Optimieren Sie die Traffic-Quellen (Anzeigentexte, Creatives etc.)
  • Machen Sie Ihre Inhalte zugänglicher.
  • Denken Sie über Google Analytics Event-Tracking nach
  • Klare CTAs (Call To Actions – Aktionsaufforderungen) einbinden
  • Verwenden Sie eine sinnvolle interne Verlinkungspolitik
  • Optimieren Sie für mobile Endgeräte
  • Optimieren Sie Ihre Navigation

Die Absprungrate und ihr Effekt auf die Suchmaschinenoptimierung

Es gibt viele Diskussionen darüber, ob die Absprungrate ein SEO-Ranking-Faktor ist. Glücklicherweise sagen mehrere Google-Mitarbeiter dasselbe: Google verwendet die Daten von Google Analytics nicht in seinem Suchalgorithmus. Das heißt im Umkehrschluss aber nicht, dass Google Absprünge nicht messen könnte. Es ist ein natürliches Nutzerverhalten, wenn man die gewünschte Information nicht finden konnte, automatisch zu den Suchergebnissen zurückkehrt und seine Suche fortsetzt.

Fazit und Gedanken zur Absprungrate

Die Absprungrate ist eine der wichtigsten Kennzahlen in Google Analytics. Sie können mit einem Blick herausfinden, ob Sie den Erwartungen Ihrer Besucher gerecht werden – oder welche Seiten Ihre Aufmerksamkeit benötigen. Werfen Sie aber immer einen Blick unter die Motorhaube. Eine hohe Absprungrate bedeutet nicht direkt etwas schlechtes und eine niedrige nicht direkt etwas gutes. Betrachten Sie die Absprungrate also immer kontextuell. Denken Sie über den Zweck der jeweiligen Seite nach und wie Sie die Benutzerfreundlichkeit verbessern können.

Beachten Sie dabei aber die  Traffic-Quelle. Bringen Sie den richtigen Traffic auf Ihre Website. Fokussieren Sie sich bei der Akquise von Besuchern nicht bloß auf gute Click Through Rates, sondern achten Sie eher auf die Qualität des Traffics – dann wird sich die Absprungrate automatisch verbessern.

Weiterführende Informationen zur Absprungrate finden Sie hier:

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