Den Canonical Tag richtig verwenden

Mit einer Canonical (deutsch = kanonischen) URL können Sie Suchmaschinen mitteilen, dass bestimmte ähnliche URLs bzw. Unterseiten tatsächlich gleich sind und auf welcher sich der Inhalt befindet, der indexiert werden soll. Manchmal existieren auf Ihrer Website Produkte oder Inhalte, die auf mehreren URLs gefunden werden können – oder sogar auf mehreren Domains. Durch die Verwendung von Canonical URLs (HTML-Link-Tags mit dem Attribut rel=canonical) können Sie diese ähnlichen Inhalte weiterhin auf Ihrer Website haben, ohne dass Ihre Ranking-Platzierungen beeinträchtigt werden.

Was ist ein Canonical Element?

Das rel=canonical Element, oft als „canonical Link“ bezeichnet, ist ein HTML-Element, das Webmastern hilft, doppelte Inhalte zu vermeiden. Dies geschieht durch Angabe der „kanonischen URL“, der „bevorzugten“ Version einer Webseite – also der Originalquelle. Wird er richtig eingesetzt, kann das ein sehr positives Signal an Google senden.
Die Idee des Canonical Tags ist einfach: Wenn Sie mehrere ähnliche Versionen des gleichen Inhalts haben, wählen Sie eine „kanonische“ Version und verweisen so die Suchmaschinen auf diese. Dies löst das Problem des doppelten Inhalts, bei dem Suchmaschinen nicht wissen, welche Version in den Suchergebnissen angezeigt werden soll.
In diesem Artikel wollen wir Ihnen erklären, wie und wann Sie Canonical URLs verwenden und wie Sie mögliche Fehler bei der Anwendung vermeiden können.

Die Historie des Canonical Elements

Woher kommt das Canonical-Tag überhaupt? Im Februar 2009 haben Google, Bing und Yahoo! das kanonische Link-Element eingeführt – wenn Sie mehr über seine Geschichte erfahren wollen, gibt Matt Cutts‘ Beitrag die deutlichste Erklärung. Während die Idee einfach ist, sind die Besonderheiten der Anwendung oft komplex.

Der Begriff kanonisch stammt aus der römisch-katholischen Tradition, wo eine Liste heiliger Bücher erstellt und als echt anerkannt wurde und die kanonischen Evangelien des Neuen Testaments genannt wurden. Die Ironie hierbei ist, dass die römisch-katholische Kirche etwa 300 Jahre und zahlreiche Kämpfe brauchte, um die kanonische Liste zu erstellen, und sie wählten schließlich vier Versionen der gleichen Geschichte…

Der SEO-Nutzen aus einem richtig gesetzen Canonical Element

Was bringt ein Canonical-Tag? Die Wahl einer korrekten Canonical-URL für ähnliche Inhalte verbessert den SEO-Status Ihrer Website. Durch die gesetzten Tags weiß die Suchmaschine, welche Version kanonisch ist, so dass sie alle Links, die auf die verschiedenen Versionen zeigen, als Links zur kanonischen Version zählen kann. Das Setzen eines Canonicals ist in der Grundidee einem 301-Redirect ähnlich, nur ohne eben tatsächlich umzuleiten.

Der Prozess der Kanonisierung

Wenn Sie mehrere Auswahlmöglichkeiten für die URL eines Produkts haben, ist das Einbauen von Canonical-Tags einer der zur Auswahl stehenden Prozesse. In vielen Fällen liegt es auf der Hand: Eine URL ist eine bessere Wahl als eine andere. In manchen Fällen ist es vielleicht nicht so offensichtlich, aber selbst dann ist es immer noch ziemlich einfach: Wählen Sie einfach eine aus! Das nicht vorhandene Canonical Element bei URLs mit gleichen Inhalten ist grundsätzlich immer schlechter als eine vorhandene Kanonisierung von URLs mit gleichen Inhalten.

Wie setzt man ein canonical Tag

Korrekte Beispiele der Anwendung von rel=canonical

Nehmen wir an, Sie haben zwei Versionen der gleichen Seite, jede mit genau dem gleichen Inhalt. Solche Fälle treten oft in großen Shop-Systemen auf, wo der gleiche Artikel durch verschiedene Kategorie-Architekturen unter verschiedenen URLs verfügbar ist. Der einzige Unterschied besteht darin, dass sie sich in getrennten Bereichen Ihrer Website befinden und die Breadcrumbs und der aktive Menüpunkt unterschiedlich sind. Beide Versionen wurden von anderen Seiten verlinkt, so dass der Inhalt selbst eindeutig wertvoll ist. Welche Version sollten Suchmaschinen in den Ergebnissen anzeigen?

Dies könnten z.B. ihre URLs sein:

https://beispiel.de/shop/artikel
https://beispiel.de/shop/kategorie/artikel
https://beispiel.de/shop/kategorie/unterkategorie/artikel

Ein Produkt kann also mehrere verschiedene URLs haben, je nachdem, wie Sie als Besucher dorthin gelangt sind. Die Suchmaschinen finden diesen Weg grundsätzlich dann genau so über verschiedene URLs zu identischen und demnach doppelten Inhalten. In diesem Fall würden Sie dann rel=canonical wie folgt anwenden:

Wählen Sie eine Ihrer Seiten als kanonische Version. Dies sollte die Version sein, die Sie für die wichtigste halten. Wenn es Ihnen egal ist, wählen Sie den mit den meisten Links oder Besuchern und wenn alles andere gleich ist, werfen Sie eine Münze. Nach unserem Beispiel nehmen wir mal ‚https://beispiel.de/shop/artikel‘.
Fügen Sie einen rel=canonical Link von der nicht-kanonischen Seite zur kanonischen Seite hinzu. Wenn wir also die kürzeste URL als unsere kanonische URL gewählt haben, würden die anderen URLs auf die kürzeste URL im Head-Abschnitt bei  <head> der Seite verlinken – so:

<link rel="canonical" href="https://beispiel.de/shop/artikel" />

Das war’s. Nicht mehr und nicht weniger.

Dabei werden die drei Seiten aus der Sicht einer Suchmaschine „zusammengeführt“. Es ist ein „soft redirect“, ohne den Benutzer umzuleiten. Links zu den kanonischen URLs gelten nun als einzelne, kanonische Version der URL.

Plugins und hardcoding

Plugins wie All-In-One SEO oder Yoast SEO für WordPress machen es Ihnen einfacher, indem Sie die kanonischen Seitentypen im Backend einfach einpflegen können. Sie müssen hier immer nur etwas ändern und entsprechend im dafür vorgesehenen Feld die kanonische URL eingeben, wenn Sie eine URL auf eine andere kanonisch verweisen möchten.

Für Beiträge, Seiten und benutzerdefinierte Beiträge können Sie das Canonical Element in der erweiterten Registerkarte der Yoast SEO-Metabox bearbeiten:

Screenshot Yoast SEO Canonical
Screenshot Yoast SEO Canonical

Wann sollten Canonical Links genutzt werden

301 Redirect oder canonical-Tag?

Wenn Sie sich unsicher sind, ob Sie eine 301-Weiterleitung oder einen Canonical-Tag einsetzen sollen, merken Sie sich folgenden Gedanken: Sie sollten grundsätzlich immer eine Weiterleitung durchführen – es sei denn, es gibt technische Gründe dagegen! Wenn Sie nicht umleiten können, weil das die Benutzererfahrung beeinträchtigen würde oder anderweitig problematisch ist, dann setzen Sie eine kanonische URL!

Canonical auf sich selber verweisen?

Im obigen Beispiel verknüpfen wir die nicht-kanonische Seite mit der kanonischen Version. Aber sollte eine Seite ein rel=canonical für sich selbst setzen? Diese Frage ist ein viel diskutiertes Thema unter SEOs. Grundsätzlich lautet die Antwort ja. Allerdings gibt es ein Statement von Google Mitarbeiter John Müller dazu, das aussagt, dass bei nicht vorhandenen Canonical-Tags Google selber versucht eine Canonical-URL zu bestimmen. Dennoch empfehlen wir Ihnen, damit es auch nicht zu Unstimmigkeiten kommt, immer einen canonical zu setzen – vor allem bei Online Shops. Das liegt auch daran, dass die meisten CMS’s URL-Parameter und Session IDs erlauben, ohne den Inhalt zu ändern. Alle diese URLs würden also den gleichen Inhalt anzeigen:

https://beispiel.de/shop/artikel
https://beispiel.de/shop/artikel/?PHPSESSID=43154676457345736565
https://beispiel.de/shop/artikel/?cmpgn=twitter
https://beispiel.de/shop/artikel/?cmpgn=Facebook

Überprüfen können Sie das, indem Sie sich den Seitenquelltext derjenigen über die Browserfunktion aufrufen und nach einem Canonical-Tag suchen. Ist dieser auf die ‚richtige‘ URL gesetzt, müssen Sie nichts weiter tun.

Domain-übergreifende Canonicals

Vielleicht haben Sie den gleichen Inhalt auf mehreren Domains von Ihnen liegen. Es gibt auch Websites oder Blogs, die Artikel von anderen Websites auf eigene Faust veröffentlichen, da sie der Meinung sind, dass der Inhalt für ihre Nutzer relevant ist. So kann man sich ebenso vor Duplicate Content schützen oder eben seinen Inhalten auf anderen Domains einen Mehrwert geben.

Typische Fehler beim Einsatz von Canonicals

Es gibt viele Beispiele dafür, wie ein falsches rel=canonical Element in einer URL zu großen Problemen führen kann. Wir haben mehrere Seiten gesehen, auf denen das canonical-Tag auf der Startseite auf einen Artikel verwiesen hat, nur um die Homepage aus den Suchergebnissen verschwinden zu sehen. Oder dass jede einzelne Unterseiten durch einen Programmierungs-Fehler immer auf Startseite per canonical verwiesen hat und kaum Unterseiten indexiert waren trotz vieler relevanter Inhalte. Es gibt auch andere Dinge, die Sie nicht mit rel=canonical machen sollten. Hier sind die wichtigsten:

– Ein paginiertes Archiv nicht komplett auf Seite 1 kanonisieren. Das rel=canonical auf Seite 2 sollte auf Seite 2 zeigen. Wenn Sie Seite 2 ebenso auf Seite 1 verweisen, indizieren Suchmaschinen die Links auf diesen tieferen Archivseiten nicht…

– Machen Sie canonical-Tags vollständig (auf die URL bezogen) und kontrollieren Sie lieber doppelt. Aus verschiedenen Gründen verwenden viele Seiten protokollrelative Links oder nicht die genaue angefragte URL, d.h. sie lassen den http / https Part oder ‚www.‘ von ihren URLs. Besser ist es, die komplette URL zu verwenden.

– Mehrere rel=canonical Tags auf einer Seite verursachen Chaos. Manchmal denkt ein Entwickler eines Plugins oder einer Erweiterung, dass sie Gottes größtes Geschenk an die Menschheit sind und sie wissen, wie man am besten ein canonical-Tag hinzufügt. Für die Kontrolle gibt es zahlreiche Tools, Sie können es aber wie bereits oben beschrieben über den Quelltext kontrollieren.

Canonicals und Social Media

Facebook und Twitter berücksichtigen auch rel=canonical Tags, was zu seltsamen Situationen führen kann. Wenn Sie eine URL auf Facebook teilen, die einen kanonischen Verweis auf eine andere URL hat, gibt Facebook die Details der kanonischen URL weiter. Twitter funktioniert genauso.

Verwendung von rel=canonical in Kombination mit hreflang

Bei der Verwendung von hreflang in Verbindung mit dem Canonical Element ist darauf zu achten, dass die canonical-Tags jeder Sprache auf sich selbst verweisen. Stellen Sie sicher, dass Sie verstehen, wie man canonical-Elemente gut verwendet, wenn sie in hreflang implementiert werden, da Sie sonst Ihrer gesamten hreflang-Implementierung Schaden zufügen könnten.

Zusammenfassung

Das Canonical Element ist ein mächtiges und wichtiges Werkzeug im SEO-Werkzeugkasten – aber wie jedes Werkzeug sollte es mit Bedacht angewendet werden, da es auch einfach ist damit Dinge kaputt zu machen. Für größere Websites und vor allem Shop-Systeme kann der Prozess der Kanonisierung sehr wichtig sein und zu großen SEO-Verbesserungen führen.